Die Entwicklung des Philatelistischen Prüfwesens beim Sammelgebiet Saar


Dieser Bericht stellt den ersten Teil einer umfangreichen Abhandlung zum Thema Prüfungen Saargebiet und Saarland dar. Ich möchte Ihnen diverse Umstände und Prüfabschnitte ab dem Anfang bis zum heutigen Standard im BPP anhand von Beispielen und Erklärungen näherbringen.
Sinn und Zweck soll es sein, den Sammler vor Schaden zu bewahren und gleichzeitig wichtige Zusammenhänge und Prüfepochen aufzuzeigen.
In diesem ersten Teilbericht fange ich Mitte 1980 an. Ich selbst war damals 16 Jahre alt und hatte mich zwei Jahre zuvor für das Sammeln von Saarmarken entschieden. Ich besuchte regelmäßig die Briefmarkenhändler von Kaiserslautern bis Neunkirchen und legte mein Taschengeld an. Ein Händler aus Landstuhl nahm mich an den Wochenenden regelmäßig mit auf Tauschtage und Auktionen. So konnte ich dann im selben Jahr bei einer Auktion anwesend sein, bei der z. B. fünf gestempelte Urdrucksätze, alle geprüft und attestiert vom damaligen Bundesprüfer, zu jeweils 15000 D-Mark ausgerufen wurden. Die Sätze auf Briefstücken wurden mit 16000.- D-Mark ausgerufen. Die Zuschläge waren alle im Bereich 30000.- D-Mark. Im Anschluss an die Sätze versteigerte man mehre Seiten gestempelte Einzelwerte und Sätze.
Ich fand es extrem interessant, wie gierig die Ware bei der Sammlerschaft angenommen wurde, alles war verkauft. Im folgenden Jahr kamen zu den gestempelten Sätzen und Einzelwerten auch noch alle Urdrucke mit Kopf stehenden Aufdrucken ins Angebot dazu. Die Preise wurden teilweise astronomisch hoch geboten, wieder ist alles verkauft worden, denn die Ware war ja auch attestiert bzw. geprüft. Diese Flut an Urdruckmarken ging dann im Bundesgebiet noch einige Jahre so weiter, bis das Material 1988 anscheinend erschöpft war. Vorrangig wurden Sätze mit den Stempeln Saarbrücken 2 c, 18 Saarlouis 1 h, Hausstadt über Merzig, Mettlach Saar b, St. Ingbert Saar b und Saarbrücken 2 l offeriert, das gleiche gilt für die gestempelten Einzelwerte und die Abarten der Urdruckmarken und alle besseren Ausgaben von Saarland wie z.B. Block 1+2 . Es wurden sich dann Gedanken gemacht, woher die ganzen Urdrucksätze kommen und man stellte dem damaligen Bundesprüfer konkrete Frage über deren Herkunft.
Einige Geschichten dazu:
Zum Stempel Saarlouis wurde berichtet, dass er von dem damaligen Postchef Ludwig Balzer dort benutzt wurde. Die Wahrheit ist allerdings, dass Ludwig Balzer ab Dezember 1947 Chef des Postamtes Völklingen war und 1949 die Leitung des Postscheckamtes Saarbrücken übernahm.
Eine weitere Geschichte ist, dass die Saarbücken 2 c Abstempelungen aus dem Besitz des Briefmarkenhändlers L. Bach kommen sollten, weil sie meist sein Namenszeichen tragen. L. Bach hat jedoch irgendwann bemerkt warum ihm Jahre zuvor ein Prüfzeichen abhandengekommen war und schrieb an die beiden damaligen Bundesprüfer Hoffman und Burger und den Fälscher Thinnes, welches mir als Original vorliegt. Dies würde auch die Aussage mehrerer Zeitzeugen belegen mit welchen ich mich austauschen konnte. Es wurde immer wieder gesagt, dass der Fälscher Thinnes sich schon Jahre vorher bei einigen bekannten Händlern für Saar und dem damaligen Prüfer oft sehr lange aufgehalten hat um Fragen zu stellen.
L. Bach schickt diesen Brief um die Personen auf dem Briefverteiler um klar zu stellen, wie die L. Bach Abstempelungen auf die Fälschungen kommen. Trotzdem ist zu diesem Zeitpunkt keine Reaktion des zuständigen Prüfers erfolgt, sondern es wurde noch Jahre weiter so geprüft. Nach heutigem Anspruch an die fachliche Kompetenz und die menschliche Eignung der Person ist ein solches Verhalten für einen Prüfer undenkbar.
Leider wurden viele dieser Fälschungen über Jahre „geparkt“ und einzelne Stücke werden nochmals attestiert wieder auf den Markt geworfen. Die Belege wurden von meinem Prüferkollegen Christian Geigle entsprechend als falsch gekennzeichnet. Gleichzeitig zeigen uns diese Belege aber auch mit welchem Fachwissen die Fälscher vorgingen. Man benutzt eine bekannte Sammlerkorrespondenz als Vorlage. Das Stempeldatum ist nur geringfügig geändert - nur der Monat- das Gleiche sehen wir beim Ankunftstempel.
Es ist auffällig, dass bei den Fälschungen der Absender handschriftlich ist. Bei echten Belegen dieser Korrespondenz ist der Absender immer mit dem Adressenstempel vollzogen. Vorderseitig kann man bei der Anschrift der Fälschungen ebenfalls deutliche Unterschiede feststellen. Es handelt sich um eine andere Handschrift.
Am einfachsten ist die Stempelfälschung des Ankunftstempels wohl zu erkennen. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede in den Buchstabenabständen.
Dies nur als ein Beispiel von etlichen. An dieser Stelle möchte ich den ersten Teil der Serie gerne abschließen.

Axel Braun




Fälschung einer D 31 - 20 Mark SARRE Bayern entlarvt

Nach der Prüfvorlage von der Fa. Köhler in Wiesbaden stellt sich nun heraus, dass eine seit Jahren dokumentierte und geprüfte D 31 wohl eine Fälschung sein muss.
Die aktuell geprüfte und attestierte Marke von der Fa. Köhler D 31 IV vom Aufdruckfeld 10 / Bogenfeld 14 ist eindeutig echt. Sie weist den für diesen Plattenzustand auftretenden Plattenfehler IV "obere Gitterlinie nach links verschoben" auf und ist eindeutig dem 16er Bogenteil der D 31 zuzordnen.


Gleichzeitig wurde mir klar, dass die von meinen Vorgängern geprüfte und attestierte Marke, welche ebenfalls vom Aufdruckfeld 10 / Bogenfeld 14 ist, eine Fälschung sein muss. Theoretisch könnte es sich dabei um die noch fehlende 16. Marke vom Audruckfeld 4 / Bogenfeld 8 handeln. Man kann dies jedoch anhand der Zähnung und Stellung des Aufdruckes auch für dieses Feld ausschließen. Leider habe ich dieses älter dokumentierte Stück nie im Original gesehen und kenne auch den Besitzer nicht.
Eine Vorlage dieser Marke, bzw. ein Hinweis auf den Besitz würde sehr helfen und würde die neuen Erkenntnisse final bestätigen.
 

Unterschied
PLF "obere Gitterlinie nach links verschoben"
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